Stress in der Pflege

Die Pflege eines geliebten Menschen kann einen ganz schön herausfordern und manchmal bis an die Grenzen der Belastbarkeit bringen. Neben der körperlichen Anstrengung können Anteilnahme und Sorge um den Erkrankten einen enormen seelischen Druck auslösen. Man vernachlässigt zunehmend seine eigenen Bedürfnisse und sozialen Kontakte und gerät nicht selten in eine Abwärtsspirale, die bis zur völligen Erschöpfung und nicht selten in ein Burnout führt. Wir geben Ihnen Tipps an die Hand, wie Sie Stress reduzieren und Ihren Pflegealltag verbessern können.

Was Pflege eines Angehörigen mit sich bringt

Wird ein Angehöriger wegen einer Erkrankung oder eines Unfalls pflegebedürftig, will man die Pflege am liebsten selbst in die Hand nehmen. Ist die Pflegesituation vorübergehend, kriegt man es in der Regel gut hin. Ist jedoch der Angehörige längerfristig oder sogar dauerhafter pflegebedürftig, wird das Leben der pflegenden Person nachhaltig verändert. Oft bleibt keine Zeit mehr für die eigene Erholung. Diese ist aber enorm wichtig, um Kraft zu schöpfen für die täglichen Pflegeaufgaben. Denn ein völlig erschöpfter und gestresster pflegender Angehöriger kann keine optimale Betreuung leisten und manchmal sogar Schaden anrichten. Für die häusliche Pflege ist es enorm wichtig, eine Balance zwischen den eigenen und den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen zu finden.

Auswirkungen von Stress in der Pflege

Die häusliche Pflege eines Angehörigen hängt meist hauptsächlich an einer Person. Dies kann der Lebenspartner sein, oft sind es aber auch eine Tochter, eine Schwiegertochter, ein Sohn oder ein Schwiegersohn. Diese sind häufig berufstätig und haben eine eigene Familie zu versorgen. Da bleibt kaum noch Zeit und Kraft für die Pflege- und Betreuungsaufgaben. Deren Erledigung geht dann zu Lasten der eigenen Erholung und Freizeit. Häufig werden deswegen auch die sozialen Kontakte vernachlässigt. Die Gefahr, dass man sich zunehmend isoliert, steigt. Man kämpft sich jeden Tag durch. Oft fühlt man sich überfordert, unsicher und allein gelassen. Dies kann auch gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

Folgende Anzeichen deuten auf Überforderung und Stress hin:

  • Chronische Erschöpfung, Müdigkeit bereits morgens beim Aufstehen
  • Innere Unruhe, Nervosität
  • Grübeln
  • Anhaltende Schlafstörungen
  • Ohnmachtsgefühl, Panikattacken, Verzweiflung
  • Starke Gereiztheit, Wutanfälle
  • Wiederkehrende oder anhaltende Muskelverspannungen
  • Körperliche Schmerzen, die mit keinem akuten Infekt bzw. keiner akuten Verletzung in Verbindung stehen

Meist entwickelt sich die Überforderung schleichend und wird zunächst nicht bemerkt. Man funktioniert einfach, auch wenn sich der Zustand des Pflegebedürftigen mit der Zeit verschlechtert. Dass die durchschnittliche Pflegedauer im Bereich der häuslichen Pflege etwa 8,2 Jahre dauert, ist den meisten bei der Übernahme der Pflege nicht bewusst.

Nur wer sich selbst pflegt, pflegt gut

Das ist die wichtigste Regel. Der beste Schutz vor Überforderung und Stress sind regelmäßige Pausen von der Pflege. Diese sind wichtig, um zur Ruhe zu kommen, neue Kraft zu schöpfen und auf andere Gedanken zu kommen. Ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, sportliche Aktivitäten und Kontakt zu Freunden und Bekannten sollten nicht zu kurz kommen.

Mit den folgenden einfachen Tipps gelingt es Ihnen, sich Freiräume zu schaffen und Ihre Bedürfnisse mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Denn wenn es Ihnen gut geht, profitiert auch Ihr zu pflegender Angehöriger.

Holen Sie sich Unterstützung: Sprechen Sie andere Angehörige oder Nachbarn an, damit Sie sich kurzfristig eine Pause verschaffen können. Nutzen Sie die diese Zeit für sich. Treffen Sie Freunde, gehen Sie Ihren Hobbys nach, unternehmen Sie einen erholsamen Spaziergang. Auch der Gang in die Sauna oder ein Abend im Bett mit Ihrem Lieblingsbuch schaffen Distanz von der Pflege und sorgen für ein wenig Erholung. Überlegen Sie, ob Sie die Last der Pflege nicht auf mehrere Schultern verteilen können. Einige Aufgaben können Ihre Angehörigen übernehmen, andere ein ambulanter Pflegedienst. Greifen Sie auch auf ehramtliche Mitarbeiter zurück, die zum Beispiel die Einkäufe erledigen und dem Pflegebedürftigen ein wenig Gesellschaft leisten. Eine erste Anlaufstelle bieten die regionalen Pflegestützpunkte.

Sprechen Sie über Ihre Situation: Sprechen Sie mit Ihren Freunden und Bekannten darüber, was Ihnen die Pflege abverlangt. Schon die Tatsache, dass Sie Ihre Gedanken in Worte fassen und einen aufmerksamen Zuhörer finden, hilft Ihnen loszulassen.

Lernen Sie Stress abzubauen: Natürlich können Sie sich abends auf die Couch setzen und sich vom Fernseher berieseln lassen. Aber diese passive Art der Entspannung ist für den Stressabbau wenig hilfreich. Sehr viel wirksamer ist eine aktive Entspannung. Gehen Sie joggen, schwimmen, Fahrrad fahren, walken oder Tennis spielen. Sie können auch spezielle Entspannungstechniken wie das autogene Training oder die progressive Muskelentspannung anwenden. Auch eine achtsame Lebensweise hilft Stress zu reduzieren. Unter Achtsamkeit versteht man eine offene und akzeptierende Haltung gegenüber allem, was man gerade wahrnimmt. Achtsamkeit hilft loszulassen, wieder ins Gleichgewicht zukommen und Stress abzubauen. Achtsamkeit, autogenes Training und progressive Muskelentspannung können Sie erlernen.