Geriatrische Reha statt Pflegeheim

Die Selbständigkeit so weit als möglich erhalten

 

Altersmediziner sind sich einig: Wenn mehr ältere Menschen nach einer Erkrankung oder einem Unfall eine medizinische Rehabilitation in Anspruch nehmen würden, ließen sich viele Pflegefälle vermeiden.

Was ist eine geriatrische Reha?

Eine Geriatrische Reha bietet Menschen im fortgeschrittenen Alter neben der Versorgung akuter Gesundheitsbeschwerden auch individuelle Betreuung, Anleitung und Training. Auf Wunsch können die Angehörigen einbezogen oder Hilfen für die Zeit nach der Entlassung organisiert werden. Oftmals gelingt es durch diese spezielle Form der Reha, ältere Menschen wieder so fit zu machen, dass sie – nach einem Unfall, einer Krankheit oder mit ihren altersbedingten Beschwerden – weiter zu Hause leben können. So auch im Fall der 76-Jährigen Elisabeth W. Sie war 2014 Patientin in der Sophie-Luisen-Klinik, einer geriatrischen Reha-Einrichtung, die zum Kompetenzzentrum für medizinische Rehabilitation und Prävention Bad Rappenau gehört.

Seit Jahren schon war die Lebensqualität von Elisabeth W. durch immer schlimmer werdende Schmerzen, zunächst beim Treppensteigen und schließlich auch generell beim Gehen, stark eingeschränkt. Die Hüftgelenksarthrose im fortgeschrittenen Stadium, so die Diagnose, bereitete ihr selbst nachts beim Liegen im Bett unerträgliche Qualen. Ihre Wohnung im zweiten Stock konnte sie ohne Hilfe nicht mehr verlassen und an die Bewältigung ihres Haushalts war kaum zu denken.

Vor die Wahl gestellt, fortan in einem Pflegeheim zu leben oder eine Gelenkersatz-Operation durchführen zu lassen, entschied sich die Seniorin für den Eingriff. „Ich hatte zwar Angst vor einer so großen Operation. Doch die Aussicht, mit Hilfe eines künstlichen Hüftgelenkes wieder beweglicher zu werden, machte mir Mut“, erinnert sich die Heilbronnerin heute.

Schritt für Schritt wieder beweglicher

Die Hüftgelenksoperation in einer orthopädischen Fachklinik verlief nach Plan und auch die Wundheilung machte in den ersten zehn Tagen nach dem Eingriff gute Fortschritte. Bei ersten Bewegungsübungen, abgesichert durch einen Rollator, konnte sie sogar schon eine kleine Wegstrecke zur Toilette bewältigen. Im nächsten Schritt sollte im Zuge einer geriatrischen Reha mit dem Aufbau des geschwächten Muskelgewebes an der betroffenen Hüfte begonnen werden.

Für ihre dreiwöchige Reha-Behandlung hatte sie die Sophie-Luisen-Klinik in ruhiger, aber zentraler Lage in Bad Rappenau ausgesucht. Dort wurde vorsichtig und unter Einsatz von Unterarm-Gehstützen mit dem Aufbautraining begonnen. Das Behandlungsteam achtete sorgfältig darauf, dass die Belastung für das operierte Hüftgelenk nicht zu groß wurde. Neben der Mobilisierung mit Kraft- und Koordinationstraining erhielt die Patientin praktische Tipps für Aktivitäten des täglichen Lebens, wie zum Beispiel den Toilettengang, das An- ziehen, aber auch für sportliche Betätigungen. Besonders wohltuend empfand sie auch die Hydrotherapie in der Bad Rappenauer Sole. Von Tag zu Tag spürte sie, wie ihre Muskulatur stärker und ihre Bewegungen sicherer wurden.

Neben intensiver Einzeltherapie gab es Gruppentherapie, und damit Gelegenheit zum Austausch mit Menschen in ähnlichen Situationen. „Es war beruhigend zu sehen, dass auch andere in meinem Alter vor denselben Herausforderungen stehen. Wir haben uns immer wie- der gegenseitig zum Training motiviert. Das hat allen sehr geholfen“, ist sich Elisabeth W. heute sicher.

Chefarzt Andreas Reuss von der Sophie-Luisen-Klinik ist von der Wirksamkeit der Reha-Maßnahmen überzeugt: „Wir behandeln unsere Patienten mit Hilfe individuell ausgerichteter Therapieprogramme und setzen Behandlungsmethoden ein, die sich in der Geriatrie bewährt haben. Mit diesem Ansatz gelingt es uns oftmals, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Viele unserer Patienten können nach der geriatrischen Reha ihren Alltag wieder weitgehend selbständig bewältigen.“

Wie erhofft konnte auch Elisabeth W. drei Wochen später nach Hause entlassen werden. Sie hat dank eisernem Training den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben gemeistert. Anfänglich benötigte sie noch die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes und erhielt ambulante Reha-Maßnahmen. „Die Anstrengung hat sich gelohnt“, berichtet sie zufrieden. „Jetzt genieße ich jeden Tag, an dem ich mich ohne Schmerzen bewegen kann und in meinen eigenen vier Wänden lebe, noch viel bewusster.“