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Wohnen im Alter – neue Möglichkeiten

Für die meisten älteren Menschen ist es ein schwerer Schritt: Das Eingeständnis, dass man in den eigenen vier Wänden nicht mehr alleine zurechtkommt. Den Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim würde die Mehrheit der Betroffenen nur zu gerne vermeiden. Doch welche Alternativen gibt es, wenn keine Angehörigen oder Freunde vor Ort leben, die regelmäßig Unterstützung anbieten können?

Entlastung durch professionelle Hausdienste

Unter den ambulanten Pflegediensten, die klassische Pflegeunterstützung wie Hilfestellungen bei der Hygiene sowie Behandlungspflege nach ärztlicher Verordnung erbringen, gibt es heute viele Anbieter, die auch die hauswirtschaftliche Versorgung übernehmen. Spezialisierte Haushaltshilfen gehen ihren Auftraggebern bei den praktischen Tätigkeiten im Alltag zur Hand. Sie kaufen ein, bereiten ausgewogene Mahlzeiten zu, sorgen für die Wäsche, putzen die Fenster und halten die Kehrwoche ein. Auch wenn es um die Versorgung eines Haustiers oder um die Begleitung zu Terminen geht, stehen sie den hilfsbedürftigen Senioren zur Seite.

Sofern beim Auftraggeber eine Pflegestufe vorliegt, können die Kosten für diese Haushaltshilfe auch von der gesetzlichen Pflegeversicherung übernommen werden.

Betreutes Wohnen in einer Seniorenwohnanlage

Hinter dem Begriff „Betreutes Wohnen“ können ganz unterschiedliche Konzepte und auch große Preisunterschiede stehen. Die Wohnungen mit Service-Angeboten für Senioren werden entweder zum Kauf oder zur Miete angeboten. Zu den Inklusivleistungen, die über eine monatliche Pauschale abgedeckt werden, gehören meist ein Hausnotruf, die Vermittlung von weiteren Hilfestellungen, wie Wohnungsreinigungen, Mahlzeitendienste, Hausmeistertätigkeiten und bei Bedarf auch klassische Pflegetätigkeiten.

Eine Orientierung unter den vielseitigen Angeboten erhalten Interessierte über spezielle Qualitätssiegel, die Bundesländer wie beispielsweise Baden-Württemberg oder Nordrhein- Westfalen für Angebote des „Betreuten Wohnens“ vergeben. Außerdem wurden bereits einzelne Wohnanlagen nach der „DIN Norm 77800 für Betreutes Wohnen“ zertifiziert. Bei diesen Angeboten kann der Interessent davon ausgehen, dass gewisse Qualitätsstandards eingehalten werden.

Jung und Alt unter einem Dach im Mehrgenerationenhaus

Der Name dieser Wohnform legt es nahe: In einem Mehrgenerationenhaus können sich Jung und Alt begegnen, voneinander lernen und ihren Alltag gemeinsam gestalten. Auch die Bundesregierung macht sich mit einem speziellen Aktionsprogramm für diese alternative Lebensform stark. Mittlerweile gibt es an etwa 450 Standorten in Deutschland Mehrgenerationenhäuser, die aus öffentlichen Mitteln gefördert werden. Mit gutem Grund, denn Mehrgenerationenhäuser tragen dazu bei, dass soziale Arbeit vor Ort immer stärker generationenübergreifend gedacht und umgesetzt wird. So gibt es beispielsweise Projekte, bei denen Senioren stundenweise Kinder ihrer benachbarten Familien betreuen oder den Schülern bei den Hausaufgaben helfen, während die jüngere Generation den Älteren bei den Dingen des Alltags zur Seite stehen.

Generationenübergreifende Begegnung im Quartier

Lebendige Gemeinschaften mit Wohn- und Lebensraum für ältere Menschen, Familien, Alleinerziehende, Kinder und Alleinstehende sollen die innovativen „Quartierkonzepte“ entstehen lassen. Die Altersdurchmischung bei der Wohnungsbelegung wird bei dieser Wohnform gezielt durch einen Generalmietvertrag gesteuert.

Dem zukunftsweisenden Wohnkonzept liegt die Idee zugrunde, sämtliche Wohn- und Versorgungsangebote eines Stadtteils besser zu vernetzen. Ähnlich wie beim Mehrgenerationenhaus soll dabei ein aktives nachbarschaftliches Für- und Miteinander von Jung und Alt entstehen. Die älteren Bewohner werden beim Erhalt ihrer eigenen Mobilität und Selbständigkeit gestärkt. Jedoch wird bei der Wohnraumgestaltung auch auf Barrierefreiheit geachtet, um Menschen mit Mobilitätseinschränkung im Quartier gerecht zu werden.

Die Quartiersbewohner können in ihrer Wohnanlage meist ein Servicezentrum, auch Bürgertreff genannt, nutzen, das Raum für Feste und weitere gemeinsame Aktivitäten bietet. Außerdem gibt es in den meisten dieser Quartiere eine Fachkraft, die als Ansprechpartner für wohnungsbezogene wie auch persönliche Angelegenheiten bereit steht. Zu den weiteren gemeinsamen Unterstützungsangeboten gehören Pflegeteams, Handwerker oder Schlüsselnotdienste.

Verschiedene deutsche Städte engagieren sich derzeit im Rahmen ihrer Stadtentwicklung dafür, Modellprojekte für seniorengerechte Quartiere zu schaffen.

Ruhestand im Ausland: verlockende Seniorenparadiese

Im Jahr 2013 wurden 220.000 Renten an Deutsche überwiesen, die sich dafür entschieden haben, ihren Ruhestand im Ausland zu verbringen. Die beliebtesten Rentnerparadiese sind derzeit die Schweiz, die USA und Österreich. Dabei beobachtet die Deutsche Rentenversicherung, dass die Zahl derer, die ihren Ruhestand außerhalb der Bundesrepublik verbringen stetig wächst. Etwa jede 15. Rente wird derzeit im Ausland ausbezahlt. Der Umzug kann jedoch Folgen haben: für die Rente, für die Krankenversicherung, für die Steuern.

Auswanderern, die ihren Wohnsitz in Deutschland aufgeben, wird die gesetzliche Rente weltweit überwiesen. Diese müssen dann der Rentenversicherung ihren gewöhnlichen Aufenthalt, d.h. ihren Lebensmittelpunkt, nennen. Die Rentenversicherung sollte mindestens zwei Monate vor der Umsiedlung informiert werden. Einmal im Jahr überprüft sie, ob der Empfänger noch lebt.

Bei Erwerbsminderungsrenten kann es in einigen Ländern Kürzungen geben. Staatlich geförderte Riesterrenten werden nur EU-weit sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein komplett ausgezahlt, außerhalb muss die staatliche Förderung zurückgezahlt werden. Wer nur eine gesetzliche Rente bezieht, kann im EU-Ausland und einigen weiteren Staaten in seiner gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Für nicht akute, sondern gezielte Behandlungen benötigt man spezielle Anspruchsbescheinigungen von der Krankenkasse.