Wieviel Fleisch ist gesund?

Der Fleischkonsum in Deutschland geht tendenziell zurück. 2021 lag er bei rund 55 Kilogramm pro Kopf und damit so niedrig wie nie seit der Berechnung des Verzehrs im Jahr 1989. Das Tierwohl und der Klimawandel mögen vor allem bei der jüngeren Bevölkerung der treibende Faktor sein, doch auch der gesundheitliche Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden. Denn weniger Fleisch bedeutet weniger gesundheitliche Risiken.

Fleisch – Motor der menschlichen Evolution

Seit mehr als zwei Millionen Jahren steht Fleisch auf dem Speiseplan des Menschen. Fleisch war ein wichtiger Energielieferant und sorgte für das Überleben der menschlichen Spezies in Zeiten extremer Kälte, wenn pflanzliche Nahrung rar war. Fleisch spielte aber auch eine entscheidende Rolle in der Evolution des Menschen. Die energiereiche fleischliche Ernährung führte zu einem Nährstoff-Überschuss, der das Wachstum des Gehirns ermöglichte. Zusätzlich veränderte sich durch die vorwiegend fleischliche Ernährung auch die Anatomie des Menschen. Die großen Zähne und kräftige Kaumuskeln, die für den Verzehr von harten Wurzeln gebraucht wurden, wichen einem flachen Gesicht mit einem kleinen Kiefer. Das wiederum schaffte Platz für das große und komplexe Gehirn. Das Hirnwachstum befähigte unsere Vorfahren zur Entwicklung einer Sprache und komplexen sozialen Verhaltensweisen. Wussten Sie, dass das Gehirn mit einem Verbrauch von 20 bis 25 Prozent der Energie im Ruhezustand ein echter Energiefresser ist?

Zu viel Fleisch schadet dem Körper

Fleisch liefert nicht nur viel Energie in Form von Kalorien, sondern auch wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Eisen und Vitamin B12. Vor allem im roten Fleisch ist viel Eisen und Vitamin B12 enthalten. Zu viel Fleisch kann allerdings zu gesundheitlichen Risiken führen. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass ein hoher Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten, vor allem Darmkrebs, erhöht. Die internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation hat verarbeitetes Fleisch, das durch Salzen, Räuchern oder Pökeln haltbar gemacht wurde, also Wurst, Schinken oder Hackfleischprodukte, sogar als krebserregend eingestuft und rotes Fleisch, wie etwa von Rind, Schwein, Lamm oder Wild als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Wer also seinen Fleischverzehr reduziert, verringert auch sein Risiko für verschiedene Erkrankungen.

Fleisch in Maßen

Der Deutsche Bundesbürger konsumiert im Durchschnitt ein Kilogramm Fleisch pro Woche. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt jedoch abhängig vom Energiebedarf des Menschen einen maximalen Verzehr von 300-600 Gramm Fleisch pro Woche. 600 Gramm entspricht etwa einem Teller Spaghetti Bolognese, einem Burger, einem Schnitzel oder einer Bratwurst. Empfohlen wird dabei eher fettarmes Muskelfleisch. Beim Fleisch heißt also die Devise: Klasse statt Masse.

Pflanzliche Eiweiß-Lieferanten

Für viele Deutsche gehört zum richtigen Mittagessen eine Portion Fleisch dazu. Sie haben das Gefühl, dass sie ohne Fleisch nicht richtig satt werden. Tatsächlich ist das im Fleisch enthaltene Eiweiß ein guter Sattmacher. Doch Eiweiß ist auch in Eiern und Milchprodukten wie Sahne oder Käse reichlich enthalten. Auch zahlreiche Pflanzen, wie Hülsenfrüchte, Getreide sowie Nüsse und Samen liefern genügend Eiweiß, das genauso gut verwertet werden kann wie das tierische Eiweiß. Hülsenfrüchte haben zudem den Vorteil, dass sie auch ausreichend Eisen enthalten. Kombiniert man eine vegetarische Mahlzeit mit einem Glas frisch gepressten Orangensaft, unterstützt das darin enthaltene Vitamin C zusätzlich die Eisen-Aufnahme. Eine fleischlose Ernährung kann also sowohl satt machen, als auch alle wichtigen Nährstoffe liefern.

Fleisch und Klimawandel – Wie hängt das zusammen?

Jede Minute wird im Regenwald eine Fläche von etwa 30 Fußballfeldern abgeholzt, um darauf Rinder zu halten oder Soja als Futtermittel anzubauen. Dieses Soja landet auch in den Futterträgen deutscher Rinder, Schweine und Hühner. Zudem entstehen bei der Viehhaltung Treibhausgase, die die Erderwärmung weiter vorantreiben. Das bei der Rinderzucht entstehende Methan ist besonders problematisch. Inzwischen sind rund 15 Prozent der globalen Emissionen auf Viehzucht zurückzuführen. Wer also seinen Fleischkonsum reduziert, tut nicht nur was Gutes für seine Gesundheit, sondern auch für die Umwelt und das Klima.