Warum man im Alter schlechter hört: Der Hörsinn

Das Wort gehört zur Hälfte dem, welcher spricht, und zur Hälfte dem, welcher hört.“ Reden und Zuhören sind zwei Seiten derselben Medaille. So machte uns der französische Denker und Schriftsteller Michel de Montaigne schon 1580 darauf aufmerksam, wie wichtig das Gehör für die Verständigung ist.

Hören ist eine soziale Fähigkeit, die uns ermöglicht, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Dank unseres Gehörs lernen wir überhaupt erst sprechen und uns mit Worten mitzuteilen. Stimmungen und Gefühle wie Wut, Verwunderung oder Ironie hören wir anhand der Lautstärke, Tonhöhe oder Sprachmelodie der Sprechenden heraus. Der Gehörsinn informiert uns über Ereignisse in unserer Umwelt, die wir nicht bemerken würden, wenn wir nur unsere Augen hätten: der singende Nachbar im Garten, der bellende Hund zwei Straßen weiter, das schwache Dröhnen eines Flugzeugs hoch oben am Himmel.

Unsere Ohren fangen zahlreiche Informationen ein, die den Augen verborgen sind. Viele Signale nehmen wir nur durch Hören wahr, ob nun das Telefon klingelt oder ein herannahendes Auto hupt.

 

Wie funktioniert Hören?

In die Hände klatschen, pfeifen oder mit dem Bleistift auf den Tisch trommeln sind Aktivitäten, die Geräusche erzeugen. Das liegt daran, dass Gegenstände zum Vibrieren gebracht werden. Die Vibrationsenergie versetzt die umliegenden Luftmoleküle in Schwingung: Es entstehen Schallwellen. Gelangen die Schallwellen über das äußere Ohr via Mittelohr ins Innenohr, werden sie dort in Nervenimpulse umgewandelt, die unser Gehirn verarbeiten kann. Wir erleben einen hörbaren Sinneseindruck.

Im Innenohr befindet sich unser eigentliches Hörorgan, die Hörschnecke. Es handelt sich dabei um einen zusammengerollten Schlauch, der mit Flüssigkeit gefüllt ist. Hier sitzen auch die Rezeptoren, die für das Hören verantwortlich sind: die sogenannten Haarzellen mit ihren Sinneshärchen. Versetzt nun eine eintreffende Schallwelle die Hörschnecken-Flüssigkeit in Bewegung, übersetzen die Sinneszellen die mechanischen Schwingungen in elektrophysiologische Signale. Diese Nervenimpulse gelangen über den Hörnerv zum Hirn, sodass wir etwas Hörbares wahrnehmen.

 

 Warum hören viele im Alter schlechter?

Ab dem 50. Lebensjahr nimmt das Hörvermögen bei vielen Menschen ohne erkennbaren Grund langsam ab. Betroffene beginnen, hohe Töne wie Kinderstimmen, Vogelgezwitscher oder die Türklingel zu überhören. Später können ihnen auch die mittleren und tiefen Töne entgehen. Einem Gespräch in geräuschvoller Umgebung zu folgen, fällt zunehmend schwerer. Wir sprechen von Altersschwerhörigkeit, die Mediziner vor allem auf Verschleißerscheinungen der Sinneshaarzellen zurückführen. Diese wachsen nämlich nicht nach.

 

Die genauen Ursachen der Altersschwerhörigkeit sind noch ungeklärt. Studien zeigen, dass Angehörige von Naturvölkern mit siebzig Jahren genauso gut hören wie dreißigjährige Städter. Und Personen, die ihr Leben in einer sehr ruhigen Umgebung verbracht haben, weisen im Alter kaum bis gar keine Anzeichen von Schwerhörigkeit auf. Offenbar summiert sich jeder kleine Schaden, der durch Lärmbelastung im Laufe der Zeit entsteht. Der Alterungsprozess des Gehörs ist wahrscheinlich das Ergebnis aller schädlichen Einflüsse während des ganzen Lebens. Weitere Einflussfaktoren, die Altersschwerhörigkeit begünstigen, sind Genussgifte wie Nikotin, Erkrankungen wie Diabetes, Medikamente wie Antibiotika sowie genetische Veranlagung.

 

 

Was tun, wenn es leise wird?

Altersschwerhörigkeit entwickelt sich schleichend und ist nicht heilbar. Abhilfe schafft ein Hörgerät. Wichtig ist, dass es möglichst früh zum Einsatz kommt, denn Schwerhörigkeit führt zu sozialem Rückzug, Einsamkeit und Isolation. Betroffene fühlen sich im Kontakt mit anderen Menschen oft verunsichert, ziehen sich unbewusst zurück, werden mitunter sogar depressiv. Das Gehirn bekommt immer weniger Eindrücke, baut Nervenverbindungen ab, verlernt zu verstehen. Damit steigt auch das Risiko, an Demenz zu erkranken. Hörprobleme zu ignorieren oder zu bagatellisieren ist auch im fortgeschrittenen Alter riskant. Wer häufig gesagt bekommt: „Stell doch mal den Fernseher leiser!“, tut gut daran, schleunigst den HNO-Arzt aufzusuchen. Regelmäßige Hörtests erleichtern die frühzeitige Diagnose.