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Tanzen gegen das Vergessen

Tanzen senkt das Risiko für Alzheimer und andere Demenzformen. Selbst wenn bereits Erkrankungsanzeichen aufgetreten sind, können rhythmische Bewegungen bei altbekannten Melodien den Betroffenen helfen, verloren geglaubte Fähigkeiten wieder zu aktivieren. Bei der heutigen Lebenserwartung erkrankt jeder Dritte in den westlichen Industrienationen im hohen Alter an Demenz. Schätzungen gehen von rund 1,3 Millionen Patienten mit Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen in Deutschland aus. Eine wirksame Therapie gegen das Massensterben der Hirnzellen ist zwar noch nicht in Sicht, doch liegen inzwischen wissenschaftliche Belege vor, dass Vorbeugung möglich ist: Regelmäßiges Gehirntraining und körperliche Aktivitäten sind dabei am wichtigsten.

Tanzen hält fit

Was wäre also geeigneter, um die eigene Leistungsfähigkeit zu erhalten, als der Tanzsport? Er vereint komplexe Anforderungen in idealer Weise. Wer regelmäßig neue Schritte und Figuren einstudiert, absolviert damit nicht nur ein anspruchsvolles geistiges Training, sondern kombiniert dieses mit vitalisierenden körperlichen Aktivitäten. Das Erinnern einer Schrittfolge in Kombination mit Bewegung kann Gedächtnisstörungen vorbeugen – und das nicht nur im Alter!

Tanzen ist also das ideale Fitnessprogramm aus Ausdauer-, Kraft-, Beweglichkeits- und Gedächtnistraining. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Spaßfaktor: Bei flotten Sidesteps und wiegenden Wechselschritten zu bekannten Klängen entsteht insbesondere in Gesellschaft Gleichgesinnter unweigerlich Heiterkeit und gute Laune.

In den letzten Jahren wurde jedoch auch die positive therapeutische Wirkung des Tanzens bei bereits an Demenz erkrankten Menschen entdeckt. Durch koordinierte Tanzbewegungen und die Reize über die Musik, wenn bekannte Melodien aus früheren Zeiten anklingen, können Erinnerungen geweckt und Brücken zu brach liegenden Fähigkeiten der Erkrankten gebaut werden.

Immer mehr Tanzschulen in Deutschland öffnen sich diesen Erkenntnissen und holen Menschen mit und ohne Alzheimer gemeinsam mit speziellen Angeboten aufs Parkett. Auch in vielen Seniorenheimen stehen heute Tanzprojekte als Therapieform zur Aktivierung und Förderung der Lebensqualität der Bewohner auf dem Programm.

Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich Tanzcafés für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Im netten Ambiente wird in einem geschützten Umfeld Kaffee getrunken, gesungen und getanzt. Manche Patienten werden dabei von ambulanten Pflegefachkräften betreut, andere kommen gemeinsam mit ihrem Partner oder anderen Angehörigen.

Altersmediziner und -psychiater gehen davon aus, dass durch diese Therapieform mitunter der Beginn einer Demenz herausgezögert werden kann. Auch wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, lässt sich bei den regelmäßigen Teilnehmern der Tanzveranstaltungen ein besserer Allgemeinzustand beobachten.

Wir tanzen wieder!

Eine der Initiativen, die Tanzangebote für ältere Menschen entwickeln, ging aus einem gemeinsamen Projekt des Demenz-Servicezentrum Region Köln und des südlichen Rheinlands im Rahmen der Landesinitiative Demenz-Service NRW hervor. Unter dem Motto „Wir tanzen wieder!“ verbreiten die Initiatoren seit 2005 die Idee des Tanzens für Menschen mit und ohne Demenz in Tanzschulen in ganz Deutschland. Gesucht werden Demenznetzwerke und Tanzschulen in allen Regionen Deutschlands, die sich für die Idee begeistern und eine zertifizierte Schulung absolvieren möchten.