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Was tun bei Bluthochdruck?

Wie können noch mehr Menschen mit Bluthochdruck von den medizinischen Erkenntnissen profitieren? Antworten auf diese Fragen gibt Dr. med. Petra Wacker, Fachärztin für Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie, Internistische Intensivmedizin, Notfallmedizin, Geriatrie und Sozialmedizin. Sie ist Chefärztin der Abteilung Kardiologie der Fachklinik Sonnenhof, einer Rehabilitationsklinik in Waldachtal, idyllisch gelegen im Schwarzwald zwischen Horb am Neckar und Freudenstadt.

SenioBlog:  Frau Dr. Wacker, ab welchem Grenzwert wird hoher Blutdruck gefährlich für die Gesundheit?

Dr. Petra Wacker: „Als optimal gilt ein Blutdruck unter 120/80 mmHg. Das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigt bereits zwischen diesem Idealwert und dem Grenzwert von 140/90 leicht an, auch wenn in diesen Fällen in der Regel keine medikamentöse Senkung verordnet wird. Ab einem Wert von 140/90 aufwärts sollten unbedingt blutdruckendsenkende Medikamente eingenommen werden, um die gefährlichen Folgen von Gefäßerkrankungen einzudämmen.“

SenioBlog:  Wie kommt es, dass das Auftreten hoher Blutdruckwerte in Deutschland deutlich rückläufig ist? Hat sich der Umgang mit dem Bluthochdruck verbessert?

Dr. Petra Wacker: „Bluthochdruck und seine Folgen sind heute viel stärker im Bewusstsein der Bevölkerung als früher. Über 80 % der Betroffenen wissen, dass sie einen hohen Blutdruck haben und wiederum 70 % davon sind deswegen in Behandlung. Die Hypertoniemedikation ist heute so erfolgreich, dass die meisten Patienten ihre Werte gut im Griff haben, d. h. sie überschreiten den Grenzwert nicht mehr. Ohne diese modernen Behandlungsmöglichkeiten hätte nur rund ein Drittel aller Erwachsenen hierzulande einen optimalen Blutdruck. Nicht zuletzt ist der positive Trend, den wir aktuell beobachten, auch als eine Folge der Senkung des behandlungsbedürftigen Grenzwertes von 160/95 auf mittlerweile 140/90 mmHg zu sehen. Seit 1999 wurden und werden deutlich mehr Menschen mit erhöhtem Blutdruck medikamentös behandelt.“

SenioBlog:  Jeder vierte Erwachsene in Deutschland nimmt heute Medikamente gegen hohen Blutdruck ein. Was hat sich im Bereich der entsprechenden Arzneimittel verändert?

Dr. Petra Wacker: „Die Substanzklassen, die bei der medikamentösen Behandlung der Hypertonie eingesetzt werden, haben sich verändert: Heute nehmen deutlich mehr Bluthochdruck-Patienten Beta-Blocker, Angiotensin-Rezeptor-Blocker und Thiazid-Diuretika, wohingegen Kalziumkanalblocker und Alpha-Blocker rückläufig sind. Eine höhere Wirksamkeit bei geringeren Nebenwirkungen hängt auch damit zusammen, dass mehr und mehr medikamentöse Kombinationstherapien angewendet werden.“

SenioBlog: Wer seinen Blutdruck regelmäßig kontrolliert und mit den passenden Arzneimitteln senkt, ist also auf gutem Wege! Was können die Betroffenen darüber hinaus tun, um ihren Blutdruck günstig zu beeinflussen?

Dr. Petra Wacker: „Neben der Medikamentenbehandlung können auch Änderungen des Lebensstils in entscheidender Weise zur Blutdrucksenkung beitragen. Gesunde Ernährung einschließlich Meidung übermäßigen Alkohol- und Salzkonsums, regelmäßige körperliche Aktivität, Reduzierung von Übergewicht, Stressbewältigung und insbesondere Verzicht auf Rauchen führen in aller Regel zu einer merklichen Blutdrucksenkung, die bis zu 10-20 mmHg betragen kann.
In spezialisierten Kliniken wie beispielsweise unserer Fachklinik erhalten die Betroffenen gezielte Unterstützung beim Abbau entsprechender Risikofaktoren. Schulungen helfen dabei, langfristig gesundheitsbewusste Lebensweisen einzuüben. Wichtiger Baustein unserer Behandlung ist ein angepasstes Bewegungsprogramm unter ärztlicher und sporttherapeutischer Überwachung. Gerade bei älteren, mitunter gebrechlichen Patienten ist häufig eine klinische Beobachtung erforderlich, die wir in unserer Rehabilitationsklinik umfassend sicherstellen können. Ein besonderes Augenmerk legen wir auf Patienten über 75 Jahre. Bei ihnen sollte der Blutdruck in der Regel nicht unter 150 mmHg systolisch gesenkt werden. Eine zu scharfe Blutdruckeinstellung kann bei älteren Patienten sogar gefährlich sein.“

 

SenioBlog: Wir danken Ihnen für das Gespräch!